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Ausgewähltes Blog: Michael Wohlrab - Jerusalem

Bethlehem, Osterhasen und Chanukkaleuchter – Weihnachten im Heiligen Land

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Nichts erinnert an Weihnachten in Deutschland. Die Sonne brennt und ich ziehe den Pullover aus beim Gang durch Jerusalem. Es ist kurz vor 14 Uhr. Am Damskustor verkauft ein Palaestinenser Weihnachtsmaenner und Osterhasen aus Schokolade.

Osterhase und Weihnachtsmann - Weihnachten am Damaskustor

Osterhase und Weihnachtsmann - Weihnachten am Damaskustor

An den Strassenpfaehlen sieht man die Chanukkaleuchter, die noch an das juedische Lichterfest erinnern, das gerade vorbei ist. So strahlt ein wenig das Weihnachtsgefuehl auf, wenn sie am Abend leuchten.

Die Chanukkaleuchter an den Strassen erinnern ein wenig an Weichnachten.

Die Chanukkaleuchter an den Strassen erinnern ein wenig an Weichnachten.

Heute abend im Gottesdienst werden wieder viele israelische Touristen sein, die ein wenig weihnachtliche Stimmung erhaschen wollen. In Tel Aviv kann man Karten kaufen fuer das Christnachtsgottesdienst-Hopping. Manches Gemeindeglied singt fuer sich allein in den dicht gefuellten Bankreihen.  

Um Mitternacht geht es dann zu Fuss nach Bethlehem. Etwa 100 zumeist junge Menschen wandern ueber den Checkpoint die etwa 15 Kilometer bis zur Geburtskirche. Unterwegs machen wir halt bei der evangelischen Kirche in Bethlehem, wo wir gegen 3 Uhr Tee trinken koennen. Gegen 5 Uhr werden wir wieder in Jerusalem sein. Muede und erschoepft und doch erfuellt von dem Weihnachten im Heiligen Land, das ganz anders ist.

Lailat al-Qadr – die Nacht der Bestimmung

Samstag, 19. September 2009
Stolz sitz der Ladenbesitzer vor seinem Laden, der Ramadanlampen verkauft.

Stolz sitz der Ladenbesitzer vor seinem Geschäft, in dem er Ramadanlampen verkauft.

Ramadan in Jerusalem. Die Autoreifen quietschen öfter in dieser Zeit. Die Stimmung ist angespannt. Unser palästinensischer Küster klagt über den “Duft des Ramadan” in den Bussen; tagsüber darf weder gegessen noch getrunken werden und so fährt man unkonzentrierter. Mit einem Kanonenschuss endet täglich die Fastenzeit und dann ist es für eine Stunde ruhig in Ostjerusalem. kein Hupen ist zu hören. Denn die Familien versammeln sich zum gemeinsamen Fastenbrechen. Anschließend füllt sich die Altstadt bis spät in die Nacht mit Menschen aus ganz Jerusalem.

In der Nacht des 27. Tages des Monats Ramadan feiern die Muslime die Lailat al-Qadr. Eine ungewöhnliche, mystische Nacht. (weiterlesen…)

Shabat II: Trendwende im Café Aroma

Samstag, 20. Juni 2009
Eiskaffee statt Straßenkampf. Ein palästinensisches Pärchen entspannt sich im Café Aroma.

Eiskaffee statt Straßenkampf. Ein palästinensisches Pärchen entspannt sich im Café Aroma.

Das Café Aroma an der hebräischen Universität ist Teil der gleichnamigen israelischen Kaffeehauskette, die mit über 100 Filialen in Israel (und mittlerweile sogar an der Friedrichstraße in Berlin) im Land präsent ist. Das Café Aroma fiel besonders dadurch auf, dass es im Gegensatz zu den meisten anderen Cafés in der Stadt am Shabat geöffnet hatte.

Doch wie fast alle kommerziellen Unternehmen orientiert sich das Unternehmen an den Bedürfnissen der Kunden. Für genaue Beobachter lässt sich so aus dem Verhalten der Kaffeehauskette auch einiges über die Entwicklung des Landes resp. der Stadt erkennen.

So wechselte das Café in Emek Refaim, der ehemaligen deutschen Templerkolonie im Westen der Stadt,  im vergangenen Jahr die Straßenseite und setzte dem Schriftzug ”Aroma Café” das Wort “Kosher” hinzu. Am Shabbat war plötzlich geschlossen. (weiterlesen…)

Jerusalemtag – manchmal muss man die Kippa abnehmen.

Samstag, 6. Juni 2009
Vor der Klagemauer kommt es zu einem Massenauflauf.
Vor der Klagemauer kommt es zu einem Massenauflauf.

Während viele christlichen Kirchen Himmelfahrt feierten, füllte sich die Altstadt Jerusalems mit Israelis, die den Jerusalemtag feiern wollten.

Der Jerusalemtag erinnert an die Eroberung und Wiedervereinigung Jerusalems durch Israel im Jahr 1967. An diesem Tag boykottieren die arabischen Abgeordneten der Knesset die Sitzung, die anlässlich des Jerusalemtages abgehalten wird. Für sie könne man erst dann einen Jerusalemtag feiern, wenn die Stadt zur Hauptstadt zweier Staaten geworden sei. (weiterlesen…)

Am Flughafen

Montag, 25. Mai 2009
Kinder einer Erde

Kinder einer Erde

Warten am Flughafen. Unser Sohn ist unruhig und krabbelt ungeduldig von Bank zu Bank. Plötzlich nähert sich eine Mutter mit ihrer Tochter. Sie wirkt aufgelöst und kommt direkt auf mich zu. Sie zeigt mir Flugticket und ihren Pass. Auf ihrem Pass klebt die bekannte “6″ (siehe Blogeintrag vom 6. Februar 2009).

Die Frau möchte nach Paris und findet ihr Gate nicht. Ich zeige ihr den richtigen Ort und sie setzt sich erleichtert hin. In der Zwischenzeit freunden sich die beiden Kinder an. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass die Frau aus dem Gazastreifen kommt und ihre Tochter nach Frankreich in ein Krankenhaus bringen wird. Unter dem Schal, den das Mädchen trägt, sieht man eine Schussverletzung am Hals. (weiterlesen…)

Gottesdienst in einer Moschee – Himmelfahrt in Jerusalem

Freitag, 22. Mai 2009
In der Himmelfahrtkapelle wird Gottesdienst gefeiert.

In der Himmelfahrtkapelle wird Gottesdienst gefeiert.

Der Ort, an dem der Himmelfahrt Christi gedacht wird, ist seit der Rückeroberung  Jerusalems 1187 durch Saladin im muslimischen Besitz. Da im Islam auch der Himmelfahrt Jesu gedacht wird, ließ der Eroberer die Kreuzfahrerkapelle stehen, verwandelte  sie kurzerhand in eine Moschee und ergänzte den Bau u.a. mit einem Minarett.

Schon 390 nach Christus war hier eine erste Kapelle gebaut worden und auf einem Stein im inneren des Oktogons finden Glaubende noch heute den (etwas groß geratenen) Fußabdruck Jesu. Zweimal im Jahr dürfen die Christen dort Gottesdienste feiern. Einmal zum westlichen und einmal zum orthodoxen Himmelfahrtfest.

Das Gotteshaus wird geschmückt, Paramente werden aufgehängt, Zelte aufgestellt und die ganze Nacht hindurch werden Messen gefeiert. (weiterlesen…)

Der Bischof von Rom – Epilog: Was bleibt?

Freitag, 22. Mai 2009
Der Papst ist weg, die Fähnchen bleiben noch ein paar Tage hängen.

Der Papst ist weg, die Fähnchen bleiben noch ein paar Tage hängen.

Geschrieben wurde genug. Über die Rede in Yad Vashem, in der mehr gesagt hätte werden können und müssen, über die Äußerungen Benedikts über die Mauer und eine Zweistaatenlösung, über die Christen, die das Land verlassen und über das hohe Polizeiaufgebot. Erst mit etwas mehr Abstand wird man die Pilgereise des Papstes wohl richtig beurteilen können. Doch eine Geschichte am Rande des großen Medienspektakels hat mich besonders beeindruckt.

Das Gelände der Himmelfahrtkirche liegt in Ostjerusalem. In dem Teil der Stadt, der für Israel zwar zur ungeteilten Hauptstadt des Landes gehört, dessen Status für die Weltgemeinschaft aber noch ungeklärt ist. Israelische Polizei lässt sich hier kaum blicken; und wenn sie kommt, dann schwer gepanzert und bewaffnet. (weiterlesen…)

Der Bischof von Rom III

Samstag, 16. Mai 2009
Treffen mit dem Patriarchchen Theophilos III

Treffen mit dem Patriarchchen Theophilos III

Am letzten Tag seines Aufenthaltes in Jerusalem besuchte der Summus Pontifex zunächst den griechischen Patriarchchen Theophilos III. Zu dem Ereignis waren die Vertreter vieler Kirchen der heiligen Stadt eingeladen.

Mit der Einladungskarte musste ich zahlreiche Kontollen in der abgeriegelten Altstadt durchlaufen. Obwohl das Treffen der beiden Kirchenoberhäupter erst um 9:15 stattfand, schlossen die Türen den Patriarchats für die Gäste schon um 7:00 Uhr. Das Gelände der Himmelfahrtkirche, in dessen Nähe der Papst übernachtete, konnte man nur bis 7:00 verlassen. Danach wurden die Straßen gesperrt. (weiterlesen…)

Der Bischof von Rom Teil II

Montag, 11. Mai 2009
Der Papst ist da: Die Fahne des Vatikans

Der Papst ist da: Die Fahne des Vatikans

Er ist da. Vor wenigen Minuten fuhren die Limousinen am Gelände der Himmelfahrtkirche vorbei. Zuvor war Benedikt XVI. auf dem Mount Scopus mit einem Helikopter gelandet. Zwei der Limousinen hatten Vatikanfähnchen, wohlmöglich um Attentäter zu verwirren. Die Straße, die an dem Gelände der Himmelfahrtkirche zum Sitz des Nuntius in unmittelbarer Nähe führt, wurde in den vergangenen Wochen neu hergerichtet: Graffiti wurden entfernt, neuer Asphalt wurde verlegt und auch die Straßenbemalung im palästinensisch bewohnten Stadtbezirk wurde erneuert. Alles erstrahlt nun im neuen Glanz.

“Der Papst sollte öfter kommen”, meinte einer der arabischen Mitarbeiter auf dem Gelände. Tatsächlich erinnern die Arbeiten aber ein wenig an die “Prozessionstraßen” Erich Honeckers. Denn die Renovierung erfolgte nur an den Straßenabschnitten, die der Papst vom Wagen aus sieht. Alles andere blieb beim alten. Die Wege sind mit Fahnen Israels, Jerusalems und des Vatikans geschmückt.

Auch auf unserem Gelände war heute israelisches Militär präsent, das darauf achtete, dass niemand den Wagenkonvoi beobachtete. Selbst vom Fenster war der Blick verboten. Gut, dass es einen Kirchturm gibt.

Gruß auf hebräisch

Die Yeshiva neben dem Sitz des Nuntius begrüßt den Papst auf ihre Weise...

Der Papst hat eine schwierige Aufgabe zu erfüllen. Zum einen muss er sich für die Rechte palästinensischer Christen einsetzen. Zum anderen will er sich um die Versöhnung mit den Muslimen bemühen und das zerrüttete Verhältnis zum Judentum wieder in Ordnung bringen.

Eine fast unmögliche Aufgabe.

Vom Turm konnte man sehen wie jüdische Demonstranten mit Plakaten von der Polizei schnell noch in Taxen gesetzt wurden. Auch die Siedlung direkt neben dem Sitz des Nuntius hat sich auf den Besuch vorbereitet. Ein großes Plakat wurde angebracht, das das Verhältnis zwischen Juden und Christen klarstellen soll. Es ist dort zu lesen: Er hat uns auserwählt und uns die die Tora gegeben.”

Der Satz steht dort auf hebräisch, so dass der Heilige Vater wohl sein Hebraicum reaktivieren muss. Wünschen wir ihm Glück bei seiner Mission, die für alle Christen im Land wichtig ist.

Jom haSho’a

Donnerstag, 23. April 2009

Dienstag morgen. Auf dem Weg zum Osterempfang des griechisch-orthodoxen Patriarchen ertönt um 10:00 ein dunkler Sirenenton. Auf Anhieb bleiben alle Autos stehen. Die Insassen steigen aus, stellen sich neben das Auto und halten für zwei Minuten inne bis der Sirenenton verstummt. Dann geht es wie gewohnt weiter. Ein eindrücklicher Moment, der den Alltag unterbricht.

Für zwei Minuten stoppt der Verkehr.

Für zwei Minuten stoppt der Verkehr...

...nur der Sirenenton ist zu hören.

...nur der Sirenenton ist zu hören.

Seit 1959 gedenken Israelis am 27. Nisan jeden Jahres -acht Tage vor dem israelischen Unabhängigkeitstag- des Holocausts. Neben Gedenkveranstaltungen in Yad Vashem gehören die Schweigeminuten zum festen Bestandteil des Jom haSho’a, die fast alle Israelis einhalten. Nur die ultraorthodoxen Juden begehen den Tag nicht, da es für sie nach der Halacha nicht gestattet ist im Monat Nisan zu trauern.