Blühende Blume in grauer Gasse
Mittwoch, 13. Mai 2009

Bild gemalt von Uta Weber, Köln
Die meistgetragene Kleiderfarbe in unserem Viertel ist grau – so grau wie die abgeblätterten Fassaden der Häuser, so grau wie der schlaglochübersäte Straßenbelag, so grau wie die Katzen, die schnell Deckung vor den vorbeieilenden Passanten suchen. Nur selten verirrt sich ein dezentes Blumenmuster auf die langen Röcke der Frauen, allenfalls ein sehr gedecktes Grün oder Blau ergänzt das alles dominierende Einheitsgrau.
Ganz anders Meryem – die Blume unseres Viertels, und an jedem Tag mit einer anderen Blüte: die Tochter des frommen Kaufmanns an der Straßenecke, 17 Jahre jung, an jedem Tag für ein paar Stunden hinter der Kasse des kleinen Ladens – denn an jedem Tag trägt sie ein anderes Kopftuch, und nie ist eines grau – auch nicht einfach nur blau oder nur grün oder nur rot, sondern immer grellblau oder grellgrün oder grellrot – auf jeden Fall immer irgendwie schrill.


