Letzte Worte aus Japan

Der "Atomic-Bomb-Dome" prangert den Einsatz von Atombomben an
Wir sind zurück aus Westjapan. Mehrere hundert Kilometer haben wir in den letzten zwei Tagen mit dem Zug zurückgelegt und haben einerseits die ehemalige Hauptstadt Kyoto besucht (von Mittwoch bis Donnerstag). Diese Stadt beeindruckte uns v.a. durch die Tempel und Gärten, die wir besuchten. Wir fanden in dieser atmosphärisch sehr schönen Stadt zur Ruhe und die vielen Bilder, die unsere Seelen in den letzten Wochen aufgenommen haben, konnten ein wenig ihren Platz in uns finden.
So genossen wir in Kyoto die herbstliche Atmosphäre bei verschiedenen Tempelanlagen.
Gestern Mittag fuhren wir weiter nach Hiroshima. Diese Stadt erlangte aufgrund der 1. Atombombe, die in einem Krieg eingesetzt wurde, traurige Berühmtheit. Am 6. August 1945 ließ ein amerikanischer Bomber die Atombombe “little boy” fallen. In einer Höhe von 600 m über dem Stadtzentrum von Hiroshima explodierte sie und sorgte in einem Umkreis von 2 km für absolute Zerstörung. Wir besichtigten den so genannten “Atomic Bomb Dome”, das Skelett der ehemaligen Industrie- und Handelskammer (s. Bild), der so zusagen die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis wach hält und vor dem Einsatz von Atombomben warnt und mahnt. Der Friedensgedächtnispark enthält u.a. eine Flamme, die so lange brennen wird, bis die letzte Atombombe auf der Welt vernichtet ist. Dieses schwere Erbe ist für Hiroshima und auch für Japan eine Mission, nämlich sich weltweit für den Frieden einzusetzen und die Vernichtung aller nuklearer Atombomben herbeizuführen. Wenn man die schrecklichen Bilder sieht, die u.a. im “Friedensgedächtnismuseum” ausgestellt sind, dann kann man das Hiroshima von heute nur schwer mit dem zusammenbringen, was vor 64 Jahren bzw. 23 416 Tagen geschah. Die Stadt lebt mit ihrer Narbe und erinnert an die Hölle, die durch den Abwurf der Bombe in der Stadt und bei ihren Menschen seelisch und körperlich ausgelöst wurde. Es war dann tröstlich, die heutige Lebendigkeit dieser Stadt zu erleben und zu spüren.
Wir nehmen Abschied. Übermorgen haben wir den japanischen Boden verlassen. Viele Erlebnisse und neue Erkenntnisse bewegen uns. Vieles hat noch keine Worte und anderes wird nicht mit Worten auszudrücken sein. Wir sind mit diesem Land und seinen Menschen verbunden. Es war etwas besonderes unter Japaner zu leben, ihre Kultur zu erleben, das ein oder andere Wort japanisch zu sprechen, über Phänomene der sozialen Praxis zu sprechen, die auch in Deutschland festzustellen sind, die ein oder andere Beobachtung mitzunehmen, um für Deutschland eine Blickschärfung vorzunehmen. Es war etwas besonders beschenkendes in einem grenzübergreifenden Dialog zu stehen.
Morgen nehmen wir Abschied von den Menschen, die unseren Aufenthalt im Land der aufgehenden Sonne besonders prägten. Wir werden sie nie vergessen und einigen in besonderen Weise verbunden bleiben.
Sayonara! Auf Wiedersehen in Deutschland!

20. November 2009 um 09:05 Uhr
Hallo und willkommen zu Hause. Ich vermisse eure interessanten lebendigen Berichte im UK-Blog. Seid ihr inzwischen wieder ganz in Deutschland angekommen oder noch oft mit den Gedanken in Japan? Nach so vielen Erlebnissen war das Umgewöhnen an den normalen Alltag hier sicher nicht ganz einfach. Herzliche Grüße und alles Gute.
27. Januar 2010 um 11:13 Uhr
Schade, dass es nicht weitergeht….