Der Tag nach dem Taifun
Den Taifun haben wir gut überstanden: heute Nacht hat es sehr geheult und geweht. Heute morgen war es dann noch sehr stürmisch und in Deutschland wäre wahrscheinlich die Schule ausgefallen. Wir hatten aber nur einen kurzen Weg ins Frauenheim, Gakuen, wo wir unsere Mahlzeiten gemeinsam mit den Bewohnerinnen einnehmen. Es regnete und stürmte bis zum späten Vormittag, die Luftfeutigkeit war unglaublich, sehr schwül und drückend. Doch dann zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite: blauer Himmel und Sonne. Imotosan (Herr Imoto) stellte uns die einzelnen Bereiche der Diakonischen Einrichtung vor. Dabei wurde seine Begeisterung für die pädagogischen Ansätze Deutschlands deutlich, die er v.a. selbst in Bethel erleben durfte, als er als Theologiestudenten in Bethel weilte (in den 1960ern). Direkt Einblick bekamen wir im “Day Service”, in dem ältere Menschen zur Tagespflege nach Nozominomon kommen.
Nach dem Mittagessen blieben wir in Gakuen, um zusammen mit den ca. 21 Bewohnerinnen Origami zu falten, neben einem Kranich (“zurru”), falteten wir auch einen springenden Frosch (dank Lisa, die den vor kurzem bei einer Freizeit gelernt ´hat). Die Zeit mit den Frauen war sehr schön, eine sehr offene und herzliche Atmosphäre, die trotz mancher Sprachbarriere nicht beeinträchtigt werden konnte. Vielmehr sorgte das für einige Heiterkeit J. Ja, gelacht haben wir viel heute! Zudem wurden wir Ohrenzeuginnen eines koto-Konzertes. Zwei Bewohnerinnen richteten dies spontan ein und stellten uns das 13saitige japanisches Traditionsinstrument vor. Und wir durften sogar unsere eigene “Komposition” auf die Saiten legen.
Ausgestattet mit einer Umgebungskarte wollte wir das “au” (das Blaue, d.h. den Pazifik) aufsuchen. Vor dem Altenheim trafen wir drei junge freundlich lächelnde Japanerinnen, die zwar kein Englisch konnten, aber dennoch verstanden, dass wir zum Wasser wollten. Zwei Handbewegungen nach rechts und eine “strato” (geradeaus) später standen wir am Pazifik und konnten dank der taifungereinigten Luft den Fuijiyama sehen. Sehr beeindruckend!
Um 17.00 h wurden wir zur Begrüßungsfeier geleitet, wo alle für das Praktikum bedeutsamen Menschen versammelt waren. In diesem feinen japanischen Restaurant gab es sogar Klolatschen (bei dem Betreten des Restaurants wechselt man die Straßenschuhe mit Latschen und wenn man das Klo aufsucht, dann wechselt man diese auch noch mal – aber: wir haben es nicht vergessen, sie wieder auszuziehen
(auf den Tatamis trägt man dann gar keine Schuhe mehr). Dabei gab es gefühlte 20 Gänge, die zum Teil auch an die europäische Küche erinnerten. Lisa (“Mariesan“) schmeckt sich so durch und stellt radikal ihre Ernährung um. Dörthe (“Sontagsan”) hat ihr Gleichgewicht wieder! Also, ihr seht wir haben hier eine sehr ereignisreiche und gefüllte Zeit!
Wir bleiben in Verbindung!

9. Oktober 2009 um 10:48 Uhr
Hallo Lisa, hallo Dörthe,
schön, dass ihr trotz Taifun Bodenhaftung behalten habt. Ist schließlich auch nicht so einfach ohne Gleichgewichtssinn.
Glaubt mir, ihr werdet um eure Erfahrungen benieden – auch wenn ich Sie euch von Herzen gönne. Esst mal ein lecker Sushi auf mich!
Wie lange habt ihr im Vorfeld schon japanisch geübt? Für mich klingt das schon perfekt!
Für 25 Teilnehmende, Lukas, Coco, Maike und mich beginnt heute, also gleich, der Grundkurs an. Wir hören uns….
Schönen Gruß,
Peter