MBK: Japan-Praktikantinnen im Gespräch
Gudrun Scheer, Referentin für Mission im MBK, traf sich mit den zwei jungen Frauen, die im Herbst ein Praktikum im Kinderheim in Kazusa Minato (bei Futtsu) absolvieren werden und sprach mit ihnen über ihre Erwartungen und Wünsche.
Gudrun Scheer: Im Oktober werdet Ihr ein knapp vierwöchiges Praktikum in einem Diakoniewerk in Japan machen. Ihr fliegt in ein Land, das über
10 000 km von Deutschland entfernt liegt. Lisa, was geht Dir durch den Kopf, wenn Du daran denkst?
Lisa Herden: Ich denke, dass es eine ganz andere Kultur ist und dass dies eine große Umstellung wird. Also muss man wohl viel lernen und sich auf etwas total anderes einstellen.
Gudrun: Dörthe, wie ist es überhaupt zu dem Praktikum gekommen?
Dörthe Sontag: Die Idee ist konkret geworden, als Lore Rahe mit Dir, Gudrun, im Januar in Japan war. Da wurden vom leitenden Pfarrer des „Tor zur Hoff-nung“ zwei junge Menschen vom MBK eingeladen, ein Kurzpraktikum im Kinderheim zu machen, mit der Erwartung, im nächsten Jahr zwei junge Mitarbeitende aus dem „Tor zur Hoffnung“ nach Deutschland schicken zu können. In Deutschland wurde die Einladung weitergegeben und aus dem Berghofteam gab es reichlich Rückmeldungen. Terminlich spitzten sich die Überlegungen auf den Oktober zu und letztlich standen nur noch Lisa und ich zur Wahl.
Gudrun: Japan ist für beide von Euch erst die zweite Auslandsreise. Könnt Ihr beschreiben, mit welchen Gefühlen Ihr aufbrecht? Wovor habt Ihr am meisten Angst oder worauf freut Ihr Euch am meisten?
Lisa: Relativ große Angst habe ich vor dem Essen und vor der Verständigung. Ich freue mich auf die Menschen, denen ich dort begegnen werde und all die neuen Erfahrungen.
Gudrun: Im Blick auf die Verständigung brauchst Du Dir keine Sorgen machen. Es wird eine Überset-zerin zur Verfügung stehen. Und das japanische Essen ist zwar etwas ungewöhnlich, das stimmt, aber es ist lecker und super gesund.
Dörthe: Da sind zwei Punkte, die mich beschäftigen. Einmal die Gespräche mit den Kindern. Es wird ja dann intuitive Kommunikation sein, denn mit
den Kindern kommt man sicher mit Englisch nicht so weit. Ansonsten bin ich gespannt, wie ich mit dem Jetlag zurechtkomme und überhaupt mit dem Leben auf der anderen Seite der Weltkugel. Das wird sicher spannend, aber manchmal kriege ich auch Magenkribbeln.
Gudrun: Ihr werdet in einem Kinderheim für Sozialwaisen ein Praktikum machen. Das Heim gehört zum Diakoniewerk „Tor zur Hoffnung“ und dieses Werk, auf Japanisch „Nozomi no Mon“ genannt, wurde von der MBK-Missionarin Dora Kishita gegründet. Ursula von Lingen-Senda, Gudrun Schef-fler, Doris Grohs und ich haben auch in diesem Diakoniewerk gearbeitet. Was verbindet Ihr mit dem Begriff „Missionarin“?
Dörthe: Ich habe diesen Begriff bisher immer mit Christen verbunden, die ins Ausland gehen, aber wenn ich auf meine Arbeit im MBK zurückblicke, dann ist das auch missionarische Arbeit. Deutsch-land ist Missionsland. Wenn ich auf das blicke, was in der Gesellschaft passiert, dann ist oder sollte man als Christ Missionar sein. Die Menschen sehen, mit ihnen ins Gespräch kommen und sich über den Glauben austauschen, das ist missionarische Ar-beit. Ich finde, der Missionsbegriff hat sich in den letzten Jahren verändert.
Lisa: Ich glaube, als Christ ist man Missionar. Wenn man vom eigenen Glauben erzählt, kann man Menschen begeistern. So wird Interesse für den Glauben geweckt.
Gudrun: Ja, das Erzählen vom eigenen Glauben ist ein ganz entscheidender Punkt. Und die Tatsache, dass jeder Christ Missionar ist, klingt zwar provokativ, ist aber ganz wichtig.
Ihr werdet, wenn Ihr nach Japan kommt, mit ganz unterschiedlichen Missionsverständnissen konfrontiert werden. Da ist es wichtig, auch für die weitere Entwicklung Eures eigenen Missionsverständ-nisses, dass Ihr klar sagen könnt, was Ihr unter Mission versteht und davon Zeugnis geben könnt, dass jeder Christ im eigenen Land Missionar ist. Wir werden uns im September in der Vorbereitung noch damit beschäftigen.
In Japan werdet Ihr Menschen treffen, die schon einiges über MBK gehört haben und nun gespannt
auf Euch sind. Andererseits gibt es in Deutschland viele Unterstützerinnen und Unterstützer der Missionarinnen, die in Japan gearbeitet haben. Diese werden Euch mit Ihren Gebeten begleiten. Wie ist das für Euch?
Dörthe: Ich finde es sehr schön, dass die MBK-Freundinnen und -Freunde für uns beten. Mich stärkt es z. B. vor Konfi-Wochenenden zu wissen: Du bist jetzt nicht allein. Gott ist da, die Beterinnen und Beter sind da, die mich begleiten. Und genauso wird es mich in Japan stärken, wenn ich weiß, dass Menschen mich im Gebet begleiten und mir eine gesegnete Zeit wünschen.
Lisa: Ja, das ist so wie ein Netz, das uns auffängt, auch wenn man sie gar nicht kennt und sie einfach nur von uns gelesen haben. Beten ist schon stark.
Gudrun: Lisa, ich habe gehört, dass Du viele Freun-dinnen hast. Beneiden sie Dich ein bisschen?
Lisa: Ja, als ich in der Schule erzählt habe: “Hey, ich fahre nach Japan“, wollten sie das erst gar nicht glauben. Und als ich erzählt habe: „Ich mach’ ein Praktikum“, sagten sie: „Echt!? Traust Du Dir das überhaupt zu?“ Die sind alle schon ganz gespannt und freuen sich mit mir: „Wenn Du Dich nicht meldest, sind wir sauer. Aber wir können ja über den UK-Blog von Dir lesen.“
Gudrun: Noch hat das Praktikum nicht stattgefunden, geschweige denn das Vorbereitungstreffen. Doch bereits seitens der MBK-Öffentlichkeitsarbeit, dem Berghofteam und der Zeitung „Unsere Kirche“ sind schon Erwartungen an Euch herangetragen worden. Drückt das auf den Schultern?
Dörthe: Es ist schon eine Fülle von Zusätzlichem, was da auf uns zukommt. Ich bin gespannt, was das für die Jugendarbeit bedeutet. So ganz kann ich das noch nicht einschätzen. Es kommt wohl auf die Erfahrungen an, die wir mitbringen. Dann läuft das sicher von ganz alleine, und wir kriegen Lust, davon zu berichten. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es anstrengend wird, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten und immer wieder davon
zu erzählen.
Gudrun: Die Japaner wünschen sich, dass Ihr durch Gespräche mit den Mitarbeitern einen kleinen Einblick in die soziale Situation Japans bekommt. Und dass Ihr auf die Unterschiede zwischen japanischen und deutschen Kindern der Grund- und Mittel-schule aufmerksam werdet. Was meint Ihr, ist an Vorbereitung dafür wichtig?
Lisa: Vorbereiten ist ziemlich schwer, weil man nicht weiß, wie die japanischen Kinder sind, aber man kennt ja das deutsche Schulsystem und könnte sich da noch etwas schlauer machen.
Dörthe: Genau, denn es wird ja immer herum gedoktert am Schulsystem. Ich höre das von Ehren-amtlichen und Leuten, die mir bei Freizeiten begegnen. Es ist sicher gut, sich da noch weiter zu informieren. Außerdem bin ich der Typ, der vor Reiseantritt Sachartikel über das Land liest, einfach um eine bessere Grundlage zu haben, um Fragen zu stellen.
Gudrun: Lisa, Du hast schon Erfahrungen mit Kindern gemacht. In der Kirchengemeinde, zu der Du gehörst und beim MBK. Magst Du davon erzählen?
Lisa: Ja, ich habe eine Zeitlang im Kindergottesdienst mitgemacht, musste aber dann wegen der Schule aufhören. Dann habe ich ein Jahresprak-
tikum in einem evangelischen Kindergarten gemacht. Seit diesem Jahr arbeite ich auch im Berghofteam mit und mache seit zwei Jahren bei Konfi-Freizeiten mit. Und das macht mir viel Spaß.
Gudrun: Dörthe, Du hast in der Gemeinde und besonders im Studium bereits Erfahrungen gemacht.
Was ist Dir dabei wichtig geworden?
Dörthe: Ich habe mit ganz unterschiedlichen Kindern und Jugendlichen zu tun gehabt. Z. B. Kinder mit Migrationshintergrund oder mit Behinderung. Ich habe gelernt, ganz individuell den Einzelnen zu sehen und auf ihn einzugehen, mich zu fragen, wo er steht und dann in einen Dialog mit ihm zu treten. Das ist meine pädagogische Grundhaltung.
Gudrun: Was würdest Du sagen, ist das Besondere für diese pädagogische Grundhaltung?
Dörthe: Zum einen meine Persönlichkeit, an der ich als Pädagogin nicht vorbei komme, aber besonders mein Glaube an Gott. Von ihm bin ich geliebt und erfahre Wertschätzung. Von hier wird mir Aufmerksamkeit und Wertschätzung für mein Gegenüber geschenkt. Ich mit meiner Persönlichkeit stehe im Dialog mit dem „ewigen Du“, also mit Gott und mit den Menschen.
Gudrun: Dörthe. Kannst Du Dir vorstellen, was Dein Japanpraktikum für die Jugendarbeit im MBK bewirken wird?
Dörthe: Auslandspraktika boomen ja zur Zeit und ich kann mir vorstellen, dass ich Jugendliche, die ins Ausland gehen wollen, mit meinen Erfahrungen eine Hilfe sein kann. Ich möchte mit Christen in anderen Ländern und Kulturen in Dialog treten. Das ist mir wichtig, denn jedes Land hat seine Themen, da möchte ich mich austauschen.
Gudrun: Für die Zukunft der MBK-Jugendarbeit erscheint Euch eine internationale Jugendbegegnung im Bereich Diakonie oder Bildung durchaus sinnvoll, gerade weil es eine große Horizonterweiterung ist.
Lisa: Ja, ich kann mir auch sehr gut vorstellen, mich mit Menschen aus anderen Ländern auszutauschen.
Vielen Dank für das Gespräch Gudrun Scheer

