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Gutes tun leicht gemacht

Amerika hat's erfunden: Kein Krankenhaus ohne Fundraiser und Sponsoren

Amerika hat's erfunden: Kein Krankenhaus ohne Fundraiser und Sponsoren

Jeden Tag flattern die Spendenbitten ins Haus, mit der Post. Da kann man schon ins Stöhnen kommen: ein Spiegelbild der Not. Mancher sagt dann wohl: Man kann ja nicht allen helfen – und gibt nichts. Ich kenne solche und beneide sie nicht. Dass es um die richtige Auswahl geht, versteht sich von selbst.

Telefonwerbung – eine wahre Seuche

Das mit der Post geht ja noch. Unangenehm sind die Anrufe, die – meist gerade zur Essenszeit – eingehen und das, obwohl wir uns für ein paar Dollar auf eine Liste setzen liessen, die unerwünschte Anrufe eigentlich verhindern sollte.

Gestern zum Beispiel, war eine Dame an der Strippe, die für die Veteranen Geld eintreibt. Sie lockte damit, dass sie uns unsere Nachbarn (allerdings anonym) vorhielt, die alle ganz gut gegeben hätten. Als sie merkte, dass meine Frau dennoch zögerte, ging sie mit ihrer Forderung runter. Es könnten ruhig fünf Dollar weniger sein, also zwanzig statt der anfangs verlangten fünfundzwanzig, “denn Sie haben eine so freundliche Stimme”. Discount für Freundlichkeit.

Längst nicht alles kommt an

Immer wieder wird bekannt, dass Spendenfirmen dieser Art zuerst (und manchmal vor allem) an sich selbst denken. Oft kommt nur ein Bruchteil der eingeworbenen Gelder bei denen an, für die es bestimmt ist. Da ist es allemal vernünftig, den Scheck direkt an die Empfängerorganisation seiner Wahl zu schicken.

Amerika ist das grosse Vorbild im Fundraising. Als wir vor fünfzehn Jahren unsere Wohnung bezogen, charakterisierte der Voreigentümer den Nachbarn Bill mit den Worten: Das ist ein tüchtiger Fundraiser; der hat im vergangenen Jahr eine Million gemacht. Wofür? Ich weiss es nicht mehr.

Spenden: Was wirklich ankommt, weiß man nicht immer

Spenden: Was wirklich ankommt, weiß man nicht immer

Unendlich viel Möglichkeiten

Ins Haus flattern in unregelmässigen Abständen die Werbeflyer von Amnesty International, vom Roten Kreuz, von UNICEF und unzähligen anderen internationalen Hilfsorganisationen, dazu aber auch jede Menge lokaler und nationaler Initiativen, ob es nun ein Hilfsfonds des Sheriffs ist, aus dem Aktivitäten für Jugendliche finanziert werden sollen, oder die Organisation Habitat for Humanity, die Häuser für Bedürftige zu erschwinglichen Konditionen baut (hier ist Jimmy Carter ein zugkräftiges Aushängeschild): Alle setzen auf die Gebefreudigkeit der Angesprochenen.

Eine Karriereleiter der besonderen Art

Heute erreichte mich ein Werbebrief von Human Rights Watch. Er besticht durch seine klare, sachgerechte Information. Ausserdem: Man kann seine Karriere durch entsprechende Spenden selber gestalten. Die Stufen sind Advocate (mit einer Jahresspende von 35 Dollar), Investigator (50 Dollar), Researcher (75 Dollar), Partner (100 Dollar), Monitor (250 Dollar). Mit “Global Defender” (500 Dollar) hat man dann die Spitzenposition erreicht.

So macht man sich einen Namen

Man hat das Gefühl, dass es kaum einen Bereich gibt, der ohne Sponsoren auskommt. Geht man ins Theater, so findet man im Programm nicht nur den Titel und die Namen der Mitwirkenden aufgeführt. Da ist auch eine ganze Seite den mehr oder weniger Betuchten gewidmet, die den Laden aufrecht erhalten. Namen und Beträge werden genannt und niemand findet das auch nur im entferntesten anstössig.

Sponsoren hinter Plexiglas

Sponsoren hinter Plexiglas

Bleibende Denkmale

Dasselbe im Krankenhaus. Schon im Eingangsbereich sind die Firmen oder Einzelpersonen in erhabener goldener Schrift an der Plexiglaswandtafel angebracht. Ob es die Einrichtung ohne sie womöglich gar nicht gäbe? Die Frage drängt sich auf. Orlando Health (so der Name der Klinik) besteht aus mehreren Einheiten. Ein Gebäude trägt den Namen “Winnie Palmer Hospital” ein anderes ist nach Arnold Palmer benannt. Das bleibt bestehen, auch wenn man selbst nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Die Grossen machen es vor

Die Grossen, das sind: Bill Gates, Warren Buffett, Oprah Winfred und unzählige andere Namhafte, die es für ihre Pflicht halten, einen Teil ihres Vermögens in das Gemeinwesen zu re-investieren. Es gehört einfach zur Unternehmenskultur. Und wer will den Nutzen alle dieser Engagements bestreiten?

Zu den Grossen gehören auch die Spitzenpolitiker. Wenn deren Steuererklärung öffentlich gemacht wird (was regelmässig der Fall ist) und sie nur geringe Beträge an Spenden ausweisen, geraten sie in einen Erklärungsnotstand. Das war vor einer Reihe von Jahren bei Al Gore der Fall. Er wurde als Geizhals angeprangert.

Ideen muss man haben

Ein konkretes Beispiel. Er, ein Bekannter, arbeitet als Computerfachmann in einem Betrieb, der mittelgrosse Banken mit der nötigen Software ausstattet. Wie steht es um das Image eurer Firma? Gibt sie was raus, gebt ihr was dazu?

Ohne Zögern kommt die Antwort: Jeden Donnerstag entscheidet jede Mitarbeiterin / jeder Mitarbeiter darüber, ob sie bzw. er sich an einem Hilfsprojekt beteiligen will. Einfach dadurch, was man anzieht. Kommt man in Jeans, so heisst das: Ja, ich mache mit, ich gebe fünf Dollar in den Hilfsfonds. Was dann auch geschieht. Die meisten sind dabei, sagt mein Bekannter. Ideen muss man haben.

Auch die Supermärkte machen mit

Jeder, der will, kann zu bestimmten Zeiten vor- und vollgepackte Einkaufstüten kaufen. Nicht fuer sich, sondern für die Bedürftigen ringsum. Auf diese Weise wird die Spende anschaulich gemacht. – Target, ein Kaufhaus mit Lebensmittelabteilung, tut sich besonders rühmlich hervor. Man gibt fünf Prozent des Gewinns an örtliche Hilfsorganisationen weiter. Das summiert sich im Laufe des Jahres zu Millionengeschenken.

Auch das Arnold Palmer Hospital braucht "Good works"

Auch das Arnold Palmer Hospital braucht "Good works"

Gute Werke schaffen Ansehen

Gerade war ich bei Walmart, dem Giganten im Warenhausbereich. Eine schwarze Tafel im Eingangsbereich (in einer Ecke, jedoch gut sichtbar). Grosse Aufschrift: Good Works. Die Zahl: 27850 Dollar. Diesen Betrag habe diese Filiale in den vergangenen zwölf Monaten an karitative Organisationen im Ort gegeben. Und die Rallye geht weiter, wie man auf kleineren Zetteln sehen kann: 1500 an die Seniorenhilfe, 1000 für ein Alphabetisierungsprogramm, weitere 1000 für ein Kinderferiencamp und so weiter.

Manchmal wird man drauf gestossen

Grosszügig wie ich bin, wollte ich mir kürzlich zum Lunch zwei Burger gönnen. (Fast food – ich kenne die Einwände, doch ab und zu kommt es halt über mich). Ich wähle Cheeseburger. Mitnahme in einer Tüte, um es zu Hause in aller Ruhe zu verzehren.

Doch ich komme damit nicht weit. Kaum dass ich die Ess-Station verlassen habe, steht einer vor mir, dem man die Mittellosigkeit ansieht. “Gib mir einen Burger, ich habe Hunger.” Mehr nicht. So geschieht’s und ist nicht der Rede wert – ausser dass mir der verbliebene Anteil sehr gemundet hat. Ich habe es mir längst abgewöhnt, an jemanden, der mich um etwas bittet, einfach vorbeizugehen.

Die Zeiten werden härter

Das kleine Vorkommnis vor der Fast-food-Station kann durchaus als Zeichen für die immer noch zunehmende Krise genommen werden. Die Arbeitslosenzahlen haben inzwischen die Zehnprozentmarke überschritten. (Vor wenigen Jahren konnte sich Florida mit einer Rate von unter vier Prozent brüsten). Das schlägt gewaltig durch. Zu befürchten ist, dass die Mangelsituation im eigenen Lande die weltweite Hungerhilfe in den Hintergrund treten lässt. Das wäre dann das Schlimmste.

Alles Gute bis zum nächsten Mal.

Günter Apsel

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