Shabat II: Trendwende im Café Aroma
Das Café Aroma an der hebräischen Universität ist Teil der gleichnamigen israelischen Kaffeehauskette, die mit über 100 Filialen in Israel (und mittlerweile sogar an der Friedrichstraße in Berlin) im Land präsent ist. Das Café Aroma fiel besonders dadurch auf, dass es im Gegensatz zu den meisten anderen Cafés in der Stadt am Shabat geöffnet hatte.
Doch wie fast alle kommerziellen Unternehmen orientiert sich das Unternehmen an den Bedürfnissen der Kunden. Für genaue Beobachter lässt sich so aus dem Verhalten der Kaffeehauskette auch einiges über die Entwicklung des Landes resp. der Stadt erkennen.
So wechselte das Café in Emek Refaim, der ehemaligen deutschen Templerkolonie im Westen der Stadt, im vergangenen Jahr die Straßenseite und setzte dem Schriftzug ”Aroma Café” das Wort “Kosher” hinzu. Am Shabbat war plötzlich geschlossen.
Die Stadt wird religiöser und die Kunden besuchten nicht mehr das Café Aroma, sondern das Café Hillel, das schon immer kosher und am Shabat geschlossen war. Man musste reagieren und änderte so die Ausrichtung.
Als einer der letzten Außenposten des säkularen Jerusalems bleibt das Café Aroma an der Universität am Shabbat geöffnet. Dort lässt sich nun ein anderer interessanter Trend beobachten. Das Café wird zunehmend von palästinensischen Kunden besucht. Anfangs waren es vor allem die weltoffenen Studierenden, die dort ihren Eiskaffee tranken. In der Küche arbeiteten Palästinenser, an der Kasse bedienten Israelis. Doch nun wird das Café immer stärker von Palästinensern frequentiert. Vor allem am Shabbat treffen sich dort palästinensische Pärchen und Familien.
Seit einigen Wochen findet sich nun dort neben einer hebräischen und englischen Getränkekarte auch eine arabische. Noch ohne Bilder, schnell am Computer erstellt, aber die Kaffeehauskette reagiert auf den neuen Trend.
Gleich in der Nachbarschaft zum Café befindet sich das Stadtviertel French Hill, das die Israelis nach dem Sechstagekrieg annektiert hatten. Dort entstand auf dem Boden einer ehemals jordanischen Militärbasis ein jüdisches Siedlungsgebiet mit Restaurants, einer Bank, einem größeren Supermarkt und vielen kleinen Geschäften. Auch dort lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten. Während French Hill vor allem wegen der vielen Terroranschläge durch Palästinenser bekannt wurde, sieht man nun immer mehr Palästinenser, die dort einkaufen, die israelische Infrastruktur nutzen und dort Wohnraum suchen. Sie siedeln quasi in der Siedlung.
Café Latte statt Terror. Zeigt sich so der neue Weg des palästinensischen Widerstandes in einer langsamen friedlichen Rückeroberung ehemals palästinensischer Gebiete? In French Hill gibt es schon erste israelische Bürgerinitiativen, die mit den neuen Gästen nicht einverstanden sind. Das demographische Problem wird Israel in Jerusalem wohl noch länger beschäftigen.


