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Jerusalemtag – manchmal muss man die Kippa abnehmen.

Vor der Klagemauer kommt es zu einem Massenauflauf.
Vor der Klagemauer kommt es zu einem Massenauflauf.

Während viele christlichen Kirchen Himmelfahrt feierten, füllte sich die Altstadt Jerusalems mit Israelis, die den Jerusalemtag feiern wollten.

Der Jerusalemtag erinnert an die Eroberung und Wiedervereinigung Jerusalems durch Israel im Jahr 1967. An diesem Tag boykottieren die arabischen Abgeordneten der Knesset die Sitzung, die anlässlich des Jerusalemtages abgehalten wird. Für sie könne man erst dann einen Jerusalemtag feiern, wenn die Stadt zur Hauptstadt zweier Staaten geworden sei.

Tatsächlich zeigen sich an dem Festtag heute vor allem die verschiedenen Siedlerbewegungen, die für diesen Tag aus dem gesamten Land und vor allem aus der Westbank nach Jerusalem kommen.

"Manchmal muss man die Kippa abnehmen" Das Wort bezeichnet im Hebräischen nicht nur die jüdische Kopfbedeckung, sondern bedeutet auch "Kuppel".

"Manchmal muss man die Kippa abnehmen" Das Wort bezeichnet im Hebräischen nicht nur die jüdische Kopfbedeckung, sondern bedeutet auch "Kuppel".

Schon am Damaskustor im Ostteil der Stadt, an dem normalerweise nur Palästinenser stehen, konnte ich an diesem Tag – neben israelischem Militär – hunderte, meist junge Siedler sehen, die sich Israelfahnenschwenkend Richtung Klagemauer bewegten. Die Soldaten verteilten Getränke und Süßigkeiten an die  jungen Demonstranten, die in die Altstadt strömten.

In der Altstadt selbst zwängten sich die Gruppen der singenden und grölenden Siedlerjugendlichen durch die Gassen. Die palästinensischen Geschäfte waren geschlossen.  Nur in den Seitengassen, die abgesperrt wurden, sah man vereinzelt Palästinenser, die sich den Umzug ansahen.

Die Jugendgruppen wurden meist von einem älteren Rabbi begleitet, der mit einem Megaphon die Jugendlichen antrieb. Aus Fahnenstöcken werden schnell Knüppel mit denen gegen die Geschäfte getrommelt wurde. Es wurden T-Shirts verkauft, die die Zerstörung des Felsendomes forderten.

An der Straße kamen wir ins Gesrpäch mit Israelis, die sich das Treiben selbst kritisch vom Straßenrand anschauten. Sie erzählten uns von ihrer Zeit bei der Siedlerbewegung. Es sei eine faszinierende Zeit gewesen.

Ausgelassene Jugendliche feiern sich und den Jerusalemtag.

Ausgelassene Jugendliche feiern sich und den Jerusalemtag.

Man fühlte sich als Aussteiger und im feindlichen Land der Araber als Sperrspitze der zionistischen Bewegung. Kritische Fragen kamen erst später. Im Rückblick fühlen sie sich manipuliert.

Heute engagieren sie sich in der israelischen Friedensbewegung. Sie übersetzten uns einige der Gesänge. In einem Lied zitierten die Jugendlichen den geblendeten Simson aus dem Richterbuch bevor er das Haus der Philister zum Einsturz bringt und so 3000 Philister tötet.

Ein Siedlerkind wird durch die arabische Altstadt getragen.

Ein Siedlerkind wird durch die arabische Altstadt getragen.

Am Ende des Richterbuches ruft er zu Gott: “Herr HERR, denke an mich und gib mir Kraft, Gott, noch dies eine Mal, damit ich mich… räche an den Philistern!” Im Hebräischen klingen die Wörter Philister und Palästinenser zum verwechseln ähnlich.

Ohne Frage: Der Massenauflauf der Siedler hatte auch etwas Faszinierendes. Teil einer solchen Bewegung zu sein gibt ein Gefühl von Stärke und Zusammengehörigkeit. Doch auf wessen Kosten? Was wird aus den Kindern, die in einer solchen Umgebung aufwachsen? Werden sie einmal mit Palästinensern Seite an Seite in Frieden leben können?

1 Kommentar zu „Jerusalemtag – manchmal muss man die Kippa abnehmen.“

  1. Sally sagt:

    Was wird aus den Kindern? Eine berechtigte Frage. Es wird wohl zwei Generationen benötigen: Erst müssen die Alten, die Hass und Gewalt noch selbst erlebt haben, weggestorben sein. 10 Jahre Frieden würden aber auch schon vieles entschärfen. Wann hatten wir den zuletzt?

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