UK - Unsere Kirche > Startseite

…und der Himmel hängt voller Geigen

Stimmungsumschwung: Magic macht’s möglich

Magic Orlando!

Magic Orlando!

Seit einigen Tagen hat sich in Central Florida der langersehnte Regen eingestellt – so wie man es sich seit Wochen wünscht: anhaltend und ergiebig. Das wäre schon Grund genug zur Lebensfreude, da doch die Wasserknappheit ein ernstzunehmendes, viel diskutiertes Thema ist.

Man sollte sich nicht jeden Tag duschen, wird empfohlen, und beim Zähneputzen den Wasserhahn abstellen. Ob’s hilft? Jedenfalls ist eine direkte Kontrolle der Befolgung solcher Ratschläge kaum möglich – es sei denn unter Verletzung der Privatsphäre. Die aber wird hierzulande peinlichst beachtet.

Wo das Geld herkommt

Durchgreifender wirken andere Massnahmen. Zum Beispiel das Verbot, an geraden oder ungeraden Tagen – je nachdem, wo man wohnt – die Wässerung des Rasens zu verbieten und die Übertretungen mit Geldbussen zu ahnden. Das tut weh und hilft zugleich, ein paar Dollar in die leeren Kassen der Kommune zu spülen.

Disney im Ostfriesenlook?

Regen ist also gut, was allerdings den Umkehrschluss, dass Sonne schlecht wäre, keinesfalls zulässt. Disney im Ostfriesenlook? Irgendwie reimt sich solches nicht. Wie immer kommt es also auch in diesem Falle auf die richtige Mischung an. (Gerate ich unter der Hand ins Philosophieren? Dann aber schleunigst zur Sache!)

Das Zauberwort: Magic Orlando

Dass Zauberwort heisst Basketball. Und die Mannschaft der Stunde – jedenfalls in Florida: Magic Orlando, nachdem Miami Heat längst draussen ist, den Einzug in die Finalrunde geradezu jämmerlich verpasst hat. Magic Orlando macht es gut – jedenfalls bis jetzt.

Gestern wurden die restlichen Eintrittskarten im freien Verkauf angeboten, angeboten für die Spiele 5 und 6. Dabei weiss man zur Stunde nicht einmal, ob das sechste stattfindet. Die Regel besagt, dass man unter Umständen bis zu siebenmal gegeneinander anzutreten hat, jedoch kann der Wettbewerb auch schon nach dem Spiel Nr. 4 beendet sein. Vier Siege genügen. So viel für die sportlich Ungebildeten.

Der “Superman” macht’s

Der "Superman"...

Der "Superman"...

Ich beobachte den Gang der Dinge im allgemeinen nur aus der Ferne: Der flüchtige Blick auf die Sportseite der Zeitung genügt mir, um in aller Regel eine gelinde Traurigkeit aufkommen zu lassen. Ich bin ein Lokalpatriot und halte das – in durchaus kritischer Selbsteinschätzung – für verzeihlich. Seit 1996er Saison befindet sich das Orlando-Team auf dem absteigenden Ast. Klar: Immer war der Coach schuld. Man verschliss etliche.

Jetzt aber, da es zu mindestens temporärem Ruhm reichen könnte, sind’s die Spieler. Vor allem einer, dessen Name mir grad nicht einfällt. Im Urteil der Fans: der “Superman”. Alles klar? Ach so, die Eintrittskarten – die restlichen also – waren innerhalb von sechs Minuten an den Mann gebracht.

Alles im Fluss

Orlando in Spiel-, Trink-, Ess-, und Feierlaune! So einfach ist das. Und doch auch schwer. Um Haaresbreite hätte die Mannschaft nämlich den Einzug in die Finalrunde der Eastern Conference verpasst. Erst im siebten Match wurden die hochfavorisierten Bostoner (Boston Celtic) ausgeschaltet. Eine Sensation, zumal das Entscheidungsspiel dort, im fernen Massachussets stattfand.

Kaum zu glauben. Von Stund an stand und steht Orlando kopf. Die Bar- und Restaurantsbesitzer reiben sich die Hände. Mit dem Bierkonsum wird auch das Geld fliessen. Die Stimmung allein macht’s möglich.

Fast ein Ausrutscher

Gestern Abend allerdings sah ich alle Felle schon davonschwimmen. “Wir” gegen die Cavaliers aus Cleveland im Staate Ohio. Ein Kinderspiel, sollte man meinen. Achtmal sind “wir” in den vergangenen Jahren gegen jene angetreten und eben so viel mal gab es nur einen Gewinner: O. – Doch es kam ganz anders: Die Magic-Mannen spielten so, als ob sie sich im Zustand eines elenden Jetlags befänden.

Und damit “Gute Nacht”

Das Ende des zweiten Viertels war mein “Aus”. Ich legte mich schlafen, da ich mir das traurige Ende ersparen wollte. Zu jenem Zeitpunkt führten die anderen klar und deutlich. Nicht nur das: Es spielte eigentlich nur eine Mannschaft. Traumhaft sicher.

Als dann diese Runde noch mit einem Wurf zu Ende gebracht wurde, wie ich ihn noch nie gesehen hatte, war das Mass für mich voll. Mit der Schlusssirene findet der Ball – wie aus Jux über das ganze Feld geworfen – den Korb. No chance, dachte ich mir und legte mich mit einem Einschlafbuch zur nächtlichen Ruhe.

Man wittert Morgenluft

Ganz kurz das Ergebnis. 107:106 für Magic! Unfassbar. Doch im Basketball ist solches, wie das Beispiel zeigt, möglich. Ich freue mich für die zahlreichen Fans hier in Orlando, die nun wieder Morgenluft wittern und keine Fehlinvestition gemacht haben.

Sollte Cleveland beim nächsten Spiel die Oberhand gewinnen, dann stünde es 1:1. Die beiden nächsten Spiele finden dann – wie gesagt: auch zur Freude der Gastronome – hier, wenige Meilen von meinem Domizil, statt.

Weiter ohne mich

Ich aber werde nichts davon haben. Morgen geht’s nach Savannah, Georgia. Zu einem Verwandtenbesuch. Die Dame aber hat kein Kabelfernsehen. Solche Enthaltsamkeit dient (so würde meine Frau sagen) der Charakterstärkung. Da ich ohnehin keine Alternative habe, bin ich geneigt, ihr Glauben zu schenken.

Wäre doch schön, wenn…

Wie weit nun die wackeren Magic-Spieler kommen werden (an die man, dem Werbeslogan gemäss, glauben soll), wird in keiner meiner folgenden Kolumnen zu lesen sein. Versprochen. Wer in Deutschland interessiert sich denn für so was!

Aber als gutes Beispiel ist es doch was wert: Stachelt eure Mannschaft an! Vielleicht klappt’s ja noch mit Arminia Bielefeld. Im Handumdrehen kann die Stimmung umschlagen. Zum Besseren, versteht sich, und die Wirtschaft brummt – mindestens in den Gastwirtschaften. In ganz Ostwestfalen. (Geschrieben am Fest Christi Himmelfahrt, dem 21. Mai 2009. Damit alles seine Richtigkeit hat.)

Kommentieren