UK - Unsere Kirche > Startseite

Der Bischof von Rom – Epilog: Was bleibt?

Der Papst ist weg, die Fähnchen bleiben noch ein paar Tage hängen.

Der Papst ist weg, die Fähnchen bleiben noch ein paar Tage hängen.

Geschrieben wurde genug. Über die Rede in Yad Vashem, in der mehr gesagt hätte werden können und müssen, über die Äußerungen Benedikts über die Mauer und eine Zweistaatenlösung, über die Christen, die das Land verlassen und über das hohe Polizeiaufgebot. Erst mit etwas mehr Abstand wird man die Pilgereise des Papstes wohl richtig beurteilen können. Doch eine Geschichte am Rande des großen Medienspektakels hat mich besonders beeindruckt.

Das Gelände der Himmelfahrtkirche liegt in Ostjerusalem. In dem Teil der Stadt, der für Israel zwar zur ungeteilten Hauptstadt des Landes gehört, dessen Status für die Weltgemeinschaft aber noch ungeklärt ist. Israelische Polizei lässt sich hier kaum blicken; und wenn sie kommt, dann schwer gepanzert und bewaffnet.

Nun residierte der Papst in Ostjerusalem in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Israel hatte die Straßen beflaggt, um seinen Anspruch auf die ganze Stadt auch dem Papst deutlich zu machen. Auf unserem Stiftungsgelände wurde nun zum Schutz Benedikts Polizei und Militär stationiert. Die palästinensischen Sicherheitskräfte, die  gewöhnlich auf dem Gelände arbeiten, sollten die israelische Polizei begleiten, damit nicht der Eindruck entstehen könnte, dass wir das kirchliche Gelände aus der Hand gegeben hätten.

Nach anfänglichem Misstrauen auf beiden Seiten, konnte ich plötzlich beobachten, dass ein palästinensischer Sicherheitsmann und ein israelischer Polizist im Café Auguste gemeinsam frühstückten. Am Eingang zu unserem Gelände wurden Scherze gemacht und man tauschte in ausgelassener Stimmung Zigaretten. Ein ungewöhnliches Bild in dieser zerstrittenen Stadt. Wie konnte das sein, dass man sich nun fast freundschaftlich begegnete? Zum ersten Mal erlebte ich hier einen Anlass bei dem Palästinenser und Israelis nicht gegeneinander Stellung bezogen, sondern gemeinsam eine Aufgabe -den Schutz des Papstes- zu erledigen hatten. Eine Vision: Palästinenser und Israelis arbeiten zusammen und gestalten miteinander die Zukunft.  Was für ein Bild: ein Muslim und ein Jude sorgen gemeinsam für die Sicherheit der christlichen Minderheit. Wenigstens für ein paar Tage tauchte dieses hoffnungsvolle Bild auf. Ich danke dem Papst für diesen Moment.

Israeli und Palästinenser sorgen für die Sicherheit des Papstes.

Israeli und Palästinenser sorgen gemeinsam für die Sicherheit des Papstes.

1 Kommentar zu „Der Bischof von Rom – Epilog: Was bleibt?“

  1. Astrid sagt:

    Das ungeduldige Warten auf den nächsten Bericht hat sich gelohnt. Die Geschichte hat mich berührt -es wäre schön, wenn es mehr zu einem Miteinander kommen würde. Mich hat der Anblick der Mauer und der check points in Palästina unglaublich erschüttert.

Kommentieren