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Tournee-Stop in Bethlehem – der Papst zu Besuch

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Pilger und arabische Christen füllen den Krippenplatz

Von dem „Allah u Akbar“ meines pinken Muezzin-Weckers geweckt und von meinem hungrigren Magen und leeren Brotkorb zum Bäcker geschickt, hatte ein neuer Tag meines Freiwilligendienstes begonnen. Busse, Taxen, eilende Familien – plötzlich war mir erst bewusst geworden, welcher Tag es gewesen war. Nach seinen Tagen in Jordanien und Israel stand nun Bethlehem auf dem Reiseplan des Papstes und schon am frühen Morgen war der christliche Vorort Beit Jala im Ausnahmezustand. Leider hatten wir uns zu spät um Tickets für die morgendliche Messe bemüht, sodass wir nicht mehr mit einem Besuch des abgeriegelten Krippenplatzes gerechnet hatten. Dem Brotmann unsere scheinbar ausweglose Lage geschildert, kehrte er nach einigen Minuten eilig aus seiner nahe gelegenen Wohnung mit zwei Karten zurück. Nun müssten auch wir uns beeilen, denn der Einlass ende schon in einer halben Stunde. Auch das Fehlen der letzten Karte für uns insgesamt drei Volontäre des SOS-Kinderdorfes sollte sich schnell lösen, als auch die Sekretärin des benachbarten Priesterseminars eine Karte für uns übrig hatte.

Die Kontrollen für die Messe auf dem Krippenplatz noch rechtzeitig erreicht, wurde ich unverhofft von einem Kamerateam der Deutschen Welle abgefangen, die eilig auf der Suche nach deutschen Stimmen zum Papstbesuch waren.

Auf dem Platz selbst war eine große Bühne für den Papst errichtet worden, vor der sich einheimische Christen und Pilger aus aller Welt schon zahlreich versammelt hatten. Mit der Ankunft des unter großem Jubel und „Vive la Baba“-Sprechchören empfangenen Papa-Mobils konnte die 10-Uhr-Messe beginnen. Lieder und Predigtexte, Lesungen und Gebete – in knallender Sonne folgte die Besucher auf dem Krippenplatz mit Freude der Messe, bevor sie wieder mit  Sprechchören und lautem Jubel mit dem Verschwinden des Papstes im nahen „Peace Center“ endete.

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Allem Anschein nach hatte sich auch die geistliche Prominenz zu dem photogenen Wanderzirkus gesellt

Immer wieder uns in den Wochen vor dem Papstbesuch dessen Ankündigung durch eifrige Straßenausbesserungen, Anpflanzungen oder einen einmaligen Frühjahrsputz ganz Bethlehems angekündigt.

Neben der Messe auf dem Krippenplatz, nur wenige Meter von der Geburtskirche entfernt, sollte der Aspekt einer Pilgerreise noch durch den politischen Besuch im Aida Flüchtlingslager ergänzt werden. Gerade diesen Teil wollten wir uns nach der eher unpolitischen Messe nicht entgehen lassen und machten uns auf durch die fast autofreien Straßen in Bethlehems Norden. Nur wenige Geschäfte hatten geöffnet, Schulen waren geschlossen und Bethlehems Straßennetz, was vereinfacht nicht aus mehr als zwei großen Straßen besteht, abgeriegelt. Ganz Bethlehem war im Ausnahmezustand, sogar war der Tag offiziell zum Feiertag erklärt worden.

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Nicht nur für die weit gereisten Pilger ein Event großen Stils

Schon früh standen wir auf unserem Weg ins Aida Camp erneut vor Absperrungen des palästinensischen Militärs, die nochmals unsere Spontanität fordern sollten. Die ersten beiden Sperren nach einigem Diskutieren passiert, erwartete und uns schließlich, mit der Tribüne schon in Sichtweite, ein etwas entschlossenerer Soldat, bei dem auch alles Arabisch und Verweise auf ein teilnehmendes Kulturzentrum nichts halfen. Die Bühne war auf dem Schulhof einer UN-Schule aufgebaut, auf welchem nur ca. 500 auserwählte Gäste Platz finden konnten. Der palästinensische Präsident Abu Mazen (Mahmoud Abbas) und verschiedene internationale Diplomaten empfingen dort zusammen mit einigen auserwählten Bewohnern des Aida Camps den Papst. Leider war dieser Teil des Papstbesuches nicht für Jedermann zugängig, sodass wir zwar über Umwege immer wieder dem ganzen Geschehen ein Stück näher kamen, sogar aus nur wenigen Metern Entfernung die Ankunft des Papstes mit verfolgen konnten, am Ende jedoch die Auserwählten das Program ohne uns beginnen mussten.

So kam es, dass ich die meiste Zeit in sicherer Entfernung zu dem besagten Schulhof mich mit Kindern aus dem Flüchtlingslager dem in Palästina äußerst populäre Murmelspiel gewidmet hatte und mich mit dem Fahrer der Generalkommissarin der UNRWA über seine Erfahrungen bei Fahrten in den Gazastreifen unterhielt, nicht aber den politischen Besuch des Papstes mit verfolgen konnte.

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Die wilden Kinder aus dem Aida Camp ganz zarm

Mir schien der Tag mit seinen Menschenmassen, dem Polizeiaufgebot und den vielen Diplomatenwagen wie ein photogener, gern besuchter Wanderzirkus erster Klasse. Die Vorstellung des Protagonisten ließ für mich nur wenig religiöse und politische Bedeutung erkennen, obwohl sich der Papst, müden Augen am Abend nach zu urteilen,  sichtbar angestrengt hatte. Wie mir nach seinem Besuch in Bethlehem aus Deutschland berichtet wurde, hatte er in unerwarteter Deutlichkeit Dinge vor der Weltöffentlich benannt, die sonst nur in kleineren Kreisen diskutiert werden. Von diesen möglicherweise positiven Einflüssen des Papstes hatte ich aus Bethlehems Sicht leider eher wenig mitbekommen.

Die vielen polnischen Pilger hatten eine erlebnisreiche Reise mit dem Papst nach Bethlehem, die Menschen im Aida Camp freuen sich über eine fünf Millionen Spende des Vatikans und die Christen in Bethlehem haben vielleicht neue Kraft schöpfen können, das Leben in Palästina den Verlockungen des Auslandes vorzuziehen. Der Papst ist wieder weg, die Blumen dieses großen Tages schmücken noch die Straßen. Vielleicht hat der Papstbesuch wieder kleine Anstöße für einen friedlicheren Nahen Osten gegeben, den Konflikt selbst lösen jedoch andere.

1 Kommentar zu „Tournee-Stop in Bethlehem – der Papst zu Besuch“

  1. Michael Hentschel sagt:

    Es ist immer wieder schön, daß die Arbeit der Freiwilligen Im SOS Bethlehem weitergeht. Mit viel Spaß und Freude lese ich Deine Berichte. Auch ein wenig innere Ergriffenheit mit Eurem Leben und dem der SOS KInder schwingt mit. Jedenfalls wünsche ich Euch noch viel Spaß und richtet bitte auch liebe Grüße an Aida aus.
    Michael (Abu Leo H.)

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