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712 Samaritaner und 47 Lämmer

Bei Sonnenuntergang am Abend des Tages nach dem Sedermahl, zeitgleich mit den Gründonnerstagsgottesdiensten und den Prozessionen zum Garten Gethsemane versammeln sich einige hundert Samaritaner und fast ebenso viele Schaulustige auf dem Platz des kleinen samaritanischen Dorfes auf der Spitze des Berges Garizim. In sechs tiefen Erdlöchern brennen bereits die Feuer. Die Lämmer sind zusammengetrieben. Einer der Priester erklärte, dass es zwar 51 Familien seien, die heute Abend zusammenkommen, um zu späterer Stunde, kurz vor Mitternacht, die zubereiteten Tiere nach Ex. 12,11 in Hast zu essen, aber diesmal nur 47 Lämmer geschlachtet werden.

Der Hohepriester Eleazar Ben Tzedaka auf dem Weg zum Opferfest

Der Hohepriester Eleazar Ben Tzedaka auf dem Weg zum Opferfest

Am Nachmittag hatte der Hohepriester Eleazar ben Tzedaka Gäste empfangen. Neben einigen internationalen und lokalen kirchlichen Würdenträgern waren der Bürgermeister von Nablus und der israelische Militärchef der Region gekommen. Datteln und Kaffe wurden gereicht und in ungezwungener Atmosphäre wurde geplaudert. Nach einigen kurzen Reden, die die Einheit und das gute Zusammenleben der Samaritaner, Christen, Juden und Muslime betonten, begann die Prozession zum Opferplatz. Auf einem Podest standen die Stühle für die Priester und Ehrengäste bereit und das Gebete und die Gesänge begannen. Inbrünstig und mit voller Lautstärke wurde Gott gepriesen und die Lämmer mit ihren jeweiligen Schlächtern in zwei Reihen einander gegenüber das Gesicht zugewandt aufgestellt.

Auch Bitterkräuter gehören zum Opfer.

Auch Bitterkräuter gehören zum Opfer.

Nach dem Gebet des Hohepriesters begannen alle gleichzeitig das Schlachten. Es ging sehr schnell. Ausbluten, häuten und aufspießen, damit sie anschließend gebraten werden können. Jeder der Teilnehmenden Priester und Laien tupfte sich etwas Blut auf die Stirn, die weißen Gewänder und Gummistiefel waren rot gefleckt.

Die Lämmer werden rituell geschächtet.

Die Lämmer werden rituell geschächtet...

Die Samaritaner sind aus dem Volk Israel hervorgegangen. Heute gibt es nur knapp über 700 Samaritaner. Anders als die Juden im Land akzeptieren sie nur die Tora, die fünf Bücher Mose, als heilige Schrift und feiern an Pessach noch immer dieses Opferfest, das die Juden nach Zerstörung des Tempels ausgesetzt haben.

Die Lämmer ergeben sich ihrem Schicksal.

...und ergeben sich ihrem Schicksal.

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