Einser- und Fünferkandidaten
Man könnte denken, dass eine Einreise nach Israel schwierig ist. Doch eigentlich schwierig ist die Ausreise.
Da nützt es einem wenig, dass einem das Visum im Pass mit der sprachlich etwas merkwürdigen Bezeichnung “Religion Man” als Geistlichen ausweist. “Not permitted to work” steht darunter. Doch zum eigentlichen Verhängnis wird der Stempel aus dem Marokko-Urlaub 2006. Die Fragen und Antworten sind bekannt: Was haben Sie in Israel gemacht? Ich arbeite in Jerusalem als Pfarrer. Koffer selbst gepackt? Ja. Kennen Sie Palästinenser? Kaum. Haben Sie ein Geschenk mitgenommen? Nein. Souvenirs? Nein. War das Gepäck die ganze Zeit bei Ihnen? Ja. Was haben Sie in Marokko gemacht? Urlaub. Haben Sie dort mit Muslimen gesprochen? Nein.
Auch das Ergebnis ist immer das Gleiche. Noch bevor die letzte Frage, ob sich irgendwelche spitzen oder scharfen Gegenstände im Gepäck befinden, gestellt wird, klebt der Aufkleber mit der Zahl 5 schon am Zeigefinger der höflichen, aber bestimmten Sicherheitsbeamtin.
“5″ bedeutet Sicherheitsrisiko und hat zur Folge, dass man nach der Durchleuchtung und einiger Wartezeit den Koffer öffen muss, der dann komplett durchsucht wird. Gelegentlich muss man dann noch in die Einzelkabine zur körperlichen Durchsuchung.
“1″ ist für Christen und Muslime unerreichbar. Diesen Aufkleber bekommen nur jüdische Israelis.
Die “2″ klebt auf den Koffern mehr oder weniger harmloser Internationaler und Familien und die “5″ gibt es für alle, die als Araber alleine reisen oder sonstwie verdächtig sind.
So erlebte ich neulich in der Schlange vor mir die Situation, dass ein christlich-arabischer Israeli nach dem Interview auf Hebräisch, das er fließend sprach, eine “5″ bekam, die amerikanische Jüdin, die erst ihren amerikanischen Pass, dann ihre israelische Indentitätskarte zeigte, eine “1″, obwohl das Interview auf Englisch geführt werden musste.
Auch der arabische Israeli wurde gefragt, was er in Israel gemacht habe. Er anwortete lapidar: “Ich bin Israeli”.
Die Aufkleber, die früher farbig waren (”5″ entsprach z.B. “rot”), sind seit Herbst 2007 alle weiß. Die Sicherheitsunterscheidung erfolgt durch Ziffern. Verkehrsminister Mofaz reagierte damit auf Druck, da viele Nicht-Juden die farbliche Unterscheidung als diskriminierend empfanden.
Die Ziffern erinnern an die Schulzeit und tatsächlich gibt es auch eine “6″. Eine arabischstämmige Deutsche, die in Israel neulich zu Besuch war, bekam eine solche und wäre fast in Ben Gurion “sitzengeblieben”. Da lobt man sich eine “5″ mit Tendenz zur “4″.
Artikel zu den Flughafen-Aufklebern hier klicken.


9. Februar 2009 um 11:26 Uhr
Ich bewundere Ihre Nerven. Das ist dort bei Ihnen so eine andere Welt …
10. Februar 2009 um 11:37 Uhr
Hallo Herr Wohlrab, können Sie wohl etwas dazu sagen, wie gefährlich die Lage zurzeit für Touristen ist? Meine Frau und ich überlegen, eine Pilgerreise zu den heiligen Stätten zu machen, wissen jetzt aber nicht mehr so recht, ob das bei all der Gewalt nicht zu gefahrvoll ist. Danke!
23. Februar 2009 um 13:50 Uhr
Wenn man die Erlebnisse von Chrisopher Hohn aus Bethlehem hier im Blog liest, ist man geneigt zu sagen: Das sind doch Peanuts …