Von vergessenen Zisternen und Spontanität im SOS-Kinderdorf
Ein spontaner Abstieg in die Unterwelten des SOS-Kinderdorfes hat mich dazu bewogen, kurz das SOS-Kinderdorf Bethlehem vorzustellen und meine Arbeit zu schildern.
Neben der direkten Betreuung der Kinder im Dorf, bemüht sich SOS-Palästina zudem mit einem Familienstärkungsprogramm Kindern das Aufwachsen in der biologischen Familie zu sichern, indem sie Eltern mit gesundheitlichen oder finanziellen Problemen unterstützen und die Gemeinschaften für diese Problematiken sensibilisieren und einen gesellschaftlichen Rückhalt der Dorfgemeinschaft reanimieren oder aufbauen.
Außerdem bieten fünf medizinische Zentren in der Westbank und eins in Gaza der palästinensischen Gesellschaft eine wichtige Anlaufstelle für eine grundlegende medizinische Versorgung und psychologische Betreuung, die insbesondere der Behandlung traumatisierter Kinder dient.
Dementsprechend kann ich mich mit meinem Mitfreiwilligen entscheiden, in welchem Bereich des SOS-Komplexes wir arbeiten möchten. Neben unserer Hauptaufgabe, eine sinnvolle Freizeitgestaltung für die Kinder zu organisieren, können wir also morgens in der Schule helfen oder abends die Jugendhäuser besuchen und mit Gesprächsrunden die englische Konversationsfähigkeit der Jugendlichen fördern.
Heute habe ich jedoch den Samstag im Dorf verbracht und war gerade dabei, eine Jonglierstunde für die älteren Jungen des Dorfes vorzubereiten, als ich eilig von dem Gärtner zu ihm gerufen wurde. Ein junger deutscher Ökologe war gerade im Kinderdorf angekommen und wollte eine vergessene Zisterne besichtigen, die erst in den letzten Tagen wiederentdeckt worden war. Ich kam gerade noch rechtzeitig, um mit verfolgen zu können, wie er sich, durch die enge Öffnung des Schachtes quetschend, auf einer wackeligen Leiter mit einem kleinen Tau gesichert in das Zisternengewölbe machte. Schnell ergriff auch ich die Möglichkeit, für ein paar Minuten der alltäglichen Welt zu entfliehen und so machte auch ich mich durch die enge Eingangslucke auf den Weg in die vergessene Zisterne. Nach der wackeligen Leiter wieder festen Boden unter den Füßen, machte sich der junge Forscher schon an die Vermessung des Gehöfts. Nach Abschluss seines Studiums in Deutschland arbeitet er nun für ein paar Monate in einem Forschungszentrum in Bethlehem und sichert Daten zu den alten Wassersystemen in der Umgebung.
Zurück in der Mittagssonne stand nach den Erlebnissen des Vormittags eine Einladung zum Mittagessen in einer der 12 Familien an. Nachdem sich das Mittagessen noch zum englischlernen ausgeweitet hatte, begann der Jonglierunterricht für die Jungen. Es lief alles anders als geplant, mit dem Sand einiger aufgerissenen Bälle unter den Füßen spielten wir am Ende Rundlauf an der Tischtennisplatte und einige erfreuten sich an dem, erst in den letzten Tagen aus Holz fertiggestelltem Schachbrett. Obwohl ich nun schon seit gut einem halben Jahr in Bethlehem bin, legen die langsamen Fortschritte im Arabischen und die noch nicht ausreichenden Erfahrungen mit den Kindern im Dorf noch einige Hindernisse für eine planmäßige Verwirklichung einer „sinnvollen Freizeitgestaltung“, wie ich sie mir in Deutschland, mit der rosa Brille auf der Nase, vielleicht erdacht hatte, in den Weg. So lange ich jedoch auch heute ein weiteres Mal mit den Kindern lachen durfte und einen dann doch wieder planmäßig schönen Nachmittag hatte, geht meine Wanderung durch den Lernort Freiwilligendienst frohen Mutes weiter.





5. Februar 2009 um 18:30 Uhr
Und schon wieder: diese Bilder …!!! Sitzt du eigentlich nächtelang am Computer, um die zu bearbeiten? Echt profimäßig!