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Was sich hier so tut

Günter Apsel

Günter Apsel

Orlando, Florida, am 31.01.2009. Ich bin gebeten worden, im UK-Blog mitzuarbeiten. Also beginne ich einfach damit, dass ich mich mit meinem Tun und Treiben vorstelle. Ganz aktuell, in meiner kleinen Welt.

Wie es der Zufall will: Dr. Rosser hat angerufen. Gestern. Ich war nicht zu Hause. Dr. Rosser? Nie gehört. Rosemarie, meine Frau, berichtet: Er, 90 Jahre alt, war vor langer Zeit Arzt der Familie Anthony, besonders der ersten Frau Anthony. Als die verstarb, heiratete Dr. Zoltan Anthony, Theologe und Gründer der Martin-Luther-Gemeinde Orlando, Florida, Erna Kaser, die ihn überlebte und mich 1995 anheuerte, als ich von Schwerte (Westfalen) nach Orlando übersiedelte.

Pastor Anthony war im Jahre 1994 gestorben. Die kleine Gemeinde hielt sich über Wasser: Mal durch eine Vertretung, mal mit einer Lesepredigt. Alles ehrenamtlich, versteht sich. Hier, in Florida, lebte meine Frau, meine zweite, schon seit Dekaden. Wir hatten ein knappes Jahr vor meinem Eintritt in den Ruhestand geheiratet, zwei Jahre nach dem Tod meiner ersten Frau.

Wer Enkel hat, der hat auch Teddybären...

Wer Enkel hat, der hat auch Teddybären...

Dr. Rosser also hat angerufen. Er bat, auf den Verteiler des Orlando-Boten genommen zu werden, den er bisher immer auf Umwegen von jemandem zugeschickt bekomme. Der Orlando-Bote ist unser Gemeindeblättchen. Ich produziere es mit einer Auflage von 120 Exemplaren, fünf bis sechsmal pro Jahr. Manche, die nur auf Zeit hier waren, bleiben ihm treu. So wird der Brief auch nach Kalifornien und Texas verschickt, selbst nach Deutschland. Und ab sofort nach Cocoa Beach, Florida, an Dr. Rosser.

Die erste Ausgabe des neuen Jahres ist soeben fertiggestellt worden. Mit Hilfe der Enkelkinder soll sie an diesem Wochenenende versandfertig gemacht werden: Falzen, adressieren, frankieren, eintüten…. Wer macht das denn schon gerne allein? Jedenfalls: Dr. Rosser hat mich motiviert.
Ein weiterer Anruf. Diesmal von Anna Young. Sie hat sich in die Blumenliste eingetragen. Es ging um eine kleine Abstimmung, da sich der Gottesdiensttermin verschoben hat. Die Gemeinde ist flexibel. Fliege ich mal für einige Wochen nach Deutschland, dann ist meist eine Verschiebung fällig.
Die Blumen werden als Altarschmuck gestiftet. Meist aus bestimmten Anlässen. Anna hat in die Spalte “Bemerkungen” die Worte geschrieben: “Im stillen Gedenken an meine Eltern Kunigunde und Leonhard Kopp”. Nach dem Gottesdienst – in der Kapelle unserer Gastgeberkirche – wird die Vase in den Eingangsbereich gestellt. Beim Verlassen der Kaffeestunde – immer im Anschluss an den Gottesdienst – nimmt sich jeder, der will, eine oder mehrere Blumen mit. Die Blumenliste ist schon voll – fürs ganze Jahr. Silva Deakins  hat sich schon für November 2010 eingetragen (”im Gedenken an meinen Mann”).

Wir feiern unseren Gottesdienst einmal im Monat in der Kapelle einer gastfreundlichen amerikanischen Gemeinde. Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 30 und 50. Zur Christvesper kommen etwa hundert. Dann gehen wir in die Kirche. “Der Gottesdienst ist doch etwas Besonderes”, sagte mir Anna Young am Schluss des Gesprächs, “man freut sich schon drauf”. Ich stimme ihr zu. Die deutsche Sprache zieht viele an. Auch die Kaffeetafel, jedesmal im Anschluss an die Feier.

So sieht’s hier aus. Eine Momentaufnahme, damit die geneigte Leserin/der geneigte Leser weiss, mit wem sie/er es zu tun hat. Geboren 1930, lebe ich hier mein Rentnerdasein – immer busy. Denn die deutschsprachige Minigemeinde braucht doch jemanden, der sich um sie kümmert. Und solange es Menschen wie Dr. Ross und Anna Young gibt, weiss ich, dass die investierte Zeit keine verlorene ist.
Als ich im Herbst 1995 gen Florida aufbrach, fragten meine Freunde – halb im Scherz -, was ich dort wohl machen wolle. Golfspielen? Etwas anderes fiel ihnen nicht ein. Bald hörten sie aber, dass es auch diesmal nach der Melodie ging: Wen Gott einmal bei der Arbeit erwischt hat, dem schickt er immer neue. Ich bin westfälischer Pfarrer im Ruhestand. Offiziell. Ich freue mich aber, noch gebraucht zu werden.
Nach diesem aktuellen Steckbrief bleibt mir nur noch der blosse Hinweis auf die Dinge, die hier vor sich gehen. Nach der Amtseinführung Barack Obamas richten sich alle Hoffnungen auf ihn. Doch zunächst geht’s noch kräftig bergab, wie man’s rund um den Globus schmerzlich spürt.
Weil nun jedermann darüber hinreichend informiert ist, spare ich mir weitere Ausführungen – allerdings nicht ohne mindestens noch zu erwähnen, dass – aller Rezession zum Trotz – das Land sichtlich aufatmet. Die Menschen (in ihrer grossen Mehrzahl) sind erleichtert, die unsägliche Bush-Ära hinter sich zu haben.
Bis zum nächsten Mal!

4 Kommentare zu „Was sich hier so tut“

  1. Socke sagt:

    Ist ja toll, in diesen spannenden Zeiten was aus den USA zu erfahren. Alles Gute nach Florida und Gottes Segen für Ihre interessante Aufgabe.

  2. monika proctor sagt:

    Prima auf diesem Wege mehr ueber unseren Pastor hier in Orlando zu erfahren. Meine Schwester Renate Baun hat mich auf diesen Blog aufmerksam gemacht.

  3. Sherene Kersten sagt:

    wo kann man in orlando eine deutsch sprechende kirche besuchen?

  4. guenter apsel sagt:

    Spaete Antwort: Wer will, kann mich via E-mail kontaktieren (unter Betreff bitte: Deutschsprachiger Gottesdienst, damit ich sehe, dass es kein Spam ist): dtgemeindeorl@aol.com
    Dann gebe ich gerne Auskunft.
    G.A.

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