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Schlafwandelnde Zoobesuche

Die Stadt im nächtlichen Tiefschlaf

Die Stadt im nächtlichen Tiefschlaf

Das Redaktionstreffen für die gemeinsame Freiwilligenzeitung meiner Trägerorganisation, der Weltweiten Initiative, hatte etwas länger gedauert und so kam es, dass ich erst um 2 Uhr nachts meinen Heimweg aus der deutschen Schule antreten konnte. Ich hatte ca. eine Stunde Fußweg vor mir und machte mich auf durch eine Stadt, die sich, wie es schien, gerade in einer kollektiven Tiefschlafphase befand.

Allein umherstreifende Straßenhunde suchten noch in den Abfällen des Tages nach ihrem Abendessen und machten sich durch ein anhaltendes Jaulen bemerkbar.

Warten auf das Öffnen des Checkpoints

Warten auf das Öffnen des Checkpoints

Warten auf das Öffnen des Checkpoints

Kurz bevor ich Bethlehems Altstadt erreicht hatte, kreuzte ich die ehemalige Verbindungsstraße zwischen Hebron und Jerusalem. Vereinzelt standen Männer mit einer alten Pappe in der Hand am Straßenrand und versuchten einen Platz in den vorbeirauschenden „Service“ zu ergattern.

Die meisten Taxen waren jedoch bis auf den letzten Platz und oft sogar den letzten Schoß gefüllt. Langsam begann mein Bild des friedlich schlafenden Bethlehem zu bröckeln, bis ich endlich einen der wartenden Männer ansprach, welchen Weg er denn noch oder schon um drei Uhr nachts antreten wollte.

Um pünktlich um sieben Uhr bei der Arbeit in Jerusalem erscheinen zu können, machte er sich nun auf den Weg zum „Machsum“, dem Check Point nach Israel, um dort dann mit Tausend weiteren Männern ab 5.15 Uhr möglichst schnell den Check-Point passieren zu können.

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Wie ein Zoobesuch: Menschen hinter Checkpoint-Gittern

Die nächtliche Begegnung gab mir dann den Anstoß nur zwei Nächte später selbst den Wecker mitten in der Nacht zu stellen und mich, ausgerüstet mit einer Kamera, durch die Stadt, auf zum Check-Point zu machen.

Als anfangs noch kein Mensch in den Straßen zu sehen war, häuften sich langsam die schwarz-gelben „Service“, die die auserwählten Besitzer eines Passierscheines für einen Job in Israel aus der südlichen Westbank zu dem 300 Check-Point in Bethlehem karrten. Wo das Innengebäude passend für die internationalen Weihnachtsgäste der letzten Wochen noch mit Blumen geschmückt war, stand nun der tägliche Ansturm palästinensischen Arbeiter an.

Draußen reihten sich die Männer in einem Gittergerüst vor der Mauer, zündeten sich ein Feuer gegen die Kälte an und versuchten ohne Ruhe den schnellsten Weg durch die Massen zu finden. Mit der Kamera vor den Gitterstäben kam ich mir eher wie ein Zoobesucher mit Schlafstörungen vor, als ein Betrachter eines für Menschen gebauten Check-Points.

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Tausende Warten darauf, den Checkpoint endlich passieren zu können

Plötzlich sah ich jedoch in der Menschenmasse den Mann, den ich zwei Nächte zuvor auf meinem Heimweg noch am Straßenrand getroffen hatte.

Wir unterhielten uns ein wenig und langsam öffnete sich mir der Einblick auf eine weitere Seite der erst vor wenigen Jahren fertiggestellten israelischen Grenzanlage, die in Bethlehem zur Hälfte aus einer acht Meter hohen Mauer besteht.

Fünf Stunden vor dem eigentlichen Beginn seiner Arbeit, macht er sich um zwei Uhr nachts auf nach Jerusalem, welches man zu Fuß in 1 1/2 Stunden eigentlich erreichen könnte. Am Check-Point selbst hängt es oft von der Laune der Soldaten ab, wie schnell sie die wichtigsten 100 Meter ihres Weges zur Arbeit zurücklegen; an schlechten Tagen haben einige Arbeiter um 9 Uhr noch nicht den Check-Point hinter sich gelassen.

Kommt er um sechs Uhr abends von der Arbeit nach Hause, muss er bald ins Bett, wenn er noch etwas Schlaf vor seinem nächsten Arbeitstag bekommen möchte.

2 Kommentare zu „Schlafwandelnde Zoobesuche“

  1. ankele sagt:

    Wirklich beeindruckend, diese Geschichte. Und die Fotos dazu – super! Sind die selbst gemacht? Mehr davon!!! ankele

  2. katharina sagt:

    Ist einfach interessant zu lesen, was Menschen erleben. Kann mich ankele nur anschließen. Super! und: mehr davon!

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