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Ein Freiwilligendienst im Vorderen Orient

Christopher Hohn

Christopher Hohn

Nachdem ich im Juni 2008 meine Schulzeit mit dem Abitur abgeschlossen hatte und als tauglich gemustert worden war, stand mir ab August ein Ersatzdienst, ein Freiwilliges Soziales Jahr im SOS-Kinderdorf in Bethlehem bevor. Nun bin ich schon seit fünf Monaten im Vorderen Orient und die Hälfte meines Freiwilligendienstes wird mich bald einholen.

In der mir vorher so unbekannten arabischen Kultur fällt es mir noch schwer, mich vor der Fülle an täglichen Erfahrungen in der Geburtsstadt Jesu zu schützen. Überall lauern neue Möglichkeiten, von meiner arabischen Umwelt und dem Leben überrascht zu werden.

Als ich mir zu Beginn meines letzten Schuljahres einen Überblick über die vielen Möglichkeiten meine Wehrpflicht zu erfüllen verschafft hatte, begeisterte mich die Idee zwischen Schule und Studium und als erster Schritt in der Selbstständigkeit ein Jahr mit und für Menschen in einer anderen Kultur zu verbringen.

Vielleicht weil ich das aufkommende Feindbild des muslimischen Arabers nicht glauben und persönliche Erfahrungen sammeln wollte, oder weil mich einfach die Fremde des Nahen Ostens, der so prägend für die europäische Kultur gewesen war, anzog: ich wollte in die arabische Welt.

So bin ich nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen eine Trägerorganisation für meinen Freiwilligendienst zu finden, auf die „Weltweite Initiative für Soziales Engagement“, mit Sitz in der hessischen Odenwaldschule, getroffen. Schon bei meinen ersten Kontakten mit meinem jetzigen Träger hat mich der partizipative Ansatz, dieser so kleinen Organisation, die eher einer Großfamilie als einem bürokratischen Organisationsgerüst gleicht, fasziniert.

Nach einem differenzierten Auswahlverfahren und einer intensiven Vorbereitung arbeite ich nun zusammen mit einem weiteren Freiwilligen in dem SOS-Kinderdorf in Bethlehem. Hauptsächlich versuchen wir hier ein möglichst vielseitiges Freizeitangebot zu organisieren.

Neben der Arbeit im Projekt können wir einen Tag der Woche in einem Kooperationsprojekt arbeiten, was wir frei nach unseren Talenten und Interessen aussuchen können. Hier leite ich in einem Kulturzentrum des nahen Flüchtlingslagers eine Fotografieklasse.

Durch meine regelmäßigen Artikel möchte ich Sie an ausgewählten Erfahrungen aus dem Leben eines deutschen Freiwilligen in Bethlehem teilhaben lassen und tiefere Einblicke in das Land der Bibel 2009 Jahre nach der Geburt Jesu ermöglichen.

3 Kommentare zu „Ein Freiwilligendienst im Vorderen Orient“

  1. Ruckzuck sagt:

    Alle Achtung, Herr Hohn. Ich bewundere Ihren Mut und Ihren Idealismus. Vorbildlich …

  2. Klaus-Heinrich sagt:

    Herr Hohn, ich bin beeindruckt. Ein starkes Engagement. Ich würde mich freuen, von Ihnen hier mehr über Entwicklungen und Stimmungen vor Ort zu lesen. Hier in D kann man den Medien meiner Ansicht nach nicht mehr trauen: Es wird nach Schema Eff berichtet, d.h. je schlechter und neuer die Nachricht, desto größer die Schlagzeilen, ohne Rücksicht auf tatsächliche Wertigkeiten. Und dann die leidige Diskussion, ob man als Deutscher mit Israel solidarisch sein muss oder ob man auch kritisch sein darf.

    Vielleicht können Sie als “Zeitzeuge” ja gelegentlich authentisch beschreiben, was die Menschen in Bethlehem bewegt und was da “abgeht”.

    In Bethlehem – an die Vorstellung, dass Sie da wohnen und arbeiten, muss ich mich erst gewöhnen…

    Ihr KH

  3. Reinhard sagt:

    Ich danke Ihnen, lieber Herr Hohn, für diesen mutigen und bewussten Schritt nach Bethlehem, einer Stadt hinter Mauern und zwischen den Fronten. Es tut gut, diese herzlichen Worte eines “Freiwilligen” an einem Sabbat zu lesen, dem jüdischen Feiertag, den ich halte, obwohl ich doch Christ bin. Auch ich bin sehr interessiert an Ihren Erfahrungen und wünsche Ihnen viel Erfolg. Möge Ihr engagiertes Handeln beitragen zur Verständigung zwischen Völkern und Religionen und zu ein wenig mehr Liebe unter den Verfeindeten, zu ein wenig mehr Frieden. Shalom!

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